Alles im Blick, alles im Griff

Blick aus der Vogelperspektive auf das Regattagelände und die Strecke.

Aber: Hitze und Besucherrekord legen 56. Fronleichnamsregatta beinahe „trocken“!

Die traditionsreiche Ruderregatta am Fronleichnamstag (7. Juni) zwischen den beiden Brücken auf dem oberen Baldeneysee in Kupferdreh war in diesem Jahr wieder ein absoluter Sportler- und Zuschauermagnet: 47 Vereine, die mit rund 1.000 „Rollsitzen“ in mehr als 540 Booten an den Start gehen wollten, hatten sich angekündigt. Grund genug, sich ordentlich vorzubereiten – zumal ja noch jede Menge Zuschauer aus Nah und Fern erwartet wurden.

Um in dem anstehenden Gewühle den Überblick zu wahren, hatten sich die Kupferdreher in diesem Jahr etwas Besonderes einfallen lassen: Gemeinsam mit lokalen Unternehmern – der Friedhofsgärtnerei Deilmann, dem Lostik-Unternehmen Ralf Schmidtmann sowie dem  Garten- und Landschaftsbau Peter Kieckbusch – hatten sie eine Hebekran hinter dem Zielwagen platziert. Von hier gab es ganz neue Blicke auf das Geschehen und dem Rennkommentator Michael Hein entging nichts – auch nicht jenseits des Renngeschehens ;-)

Für den ganzen Tag war auf dem Wasser „Hochbetrieb“ angesagt, da hatte der Stegordner Jochen Menzel einiges um die Ohren. Insgesamt 147 Rennen wurden zwischen 8 und 18 Uhr durch die Starterflagge der Schiedsrichter auf die Strecke gebracht. Daneben war für die 11- bis 14-jährigen Kinderruderer außerdem unter der alten Eisenbahnbrücke ein Slalom-Wettbewerb eingerichtet, bei dem es darum ging, Geschicklichkeit und Bootsbeherrschung zu testen – und dabei noch ordentlich Gas zu geben. Fast 100 Starter und Starterinnen hatten hier in den Skiff-Einer gemeldet, das ca. 30 cm schmale und gut 8 Meter lange Boot. Nicht ganz einfach für viele „Frischlinge“, den gut ein Drittel kam dabei unfreiwillig „in Kontakt“ mit dem Wasser. Kurzum, auch die DLRG und das begleitende Feuerwehrboot hatten alle Hände voll zu tun.

Im Rahmen der Regatta richtete die Ruderriege des Turnvereins 1877 Kupferdreh gemeinsam mit dem RC Witten im Auftrag der Sportjugend des Ennepe-Ruhr-Kreises die Ruderwettbewerbe der Ruhrolympiade 2007 aus, zu denen zehn Städte und Kreise des Rhein-Ruhrgebietes gemeldet haben. Die Sportjugend Essen sicherte sich gleich in sechs der insgesamt zwölf Wettbewerbe den Titel des Ruhrgebietsmeisters und landete mit 177 Punkten auf dem ersten Platz der Städtewertung, knapp gefolgt vom Ennepe-Ruhr-Kreis mit 161 Punkten. Die Sportjugenden des Kreises Recklinghausen kamen auf 149, der Städte Mülheim auf 141 und Hamm auf 135 Punkte. Für die Siegerehrung der Ruhrolympiade hatte sich die Ruderriege TVK Essen wiederum auf einen besonderen Erlebniseffekt gesetzt: TVK-Ruderer Ansgar Wessling (Olympiasieger im Achter 1988) und der Leverkusener Stefan Volkert (Olympiasieger im Doppelvierer 1992) überreichten den erfolgreichen Jugendlichen die Medaillen. Damit war klar, welche Motivation diese Veranstaltung geben wollte!

Der Münsteraner Regatta-Verein wurde Sieger im Harald-Freitag-Gedächtnis-Achter.

Auch für die Teilnehmer am Wertungslauf zum Deutschen Ruderpokal, den der Deutsche Ruderverband wieder an den TVK vergeben hat, ist die Fronleichnamsregatta ein festes Ziel, was die vollen Felder bei den Pokalrennen wieder einmal mehr bewiesen haben. Packende Rennen prägten hier das Bild der Regatta. Andererseits gab es an Land viel Jubel und Trubel. Gerade diese bunte Mischung aus ernstem Wettkampf und viel Spaß begründet den Erfolg dieser Kupferdreher Großveranstaltung.

Wenn auch die Organisation der ursprünglich frei vereinbarten „Nachbarschaftsregatta“ zwangsläufig immer perfekter wurde (der Ablauf verläuft Software-unterstützt, die Kommunikation läuft per W-LAN, die Ergebnisse stehen im Internet), so hat sie sich nicht zu einem todernsten Wettkampf entwickelt, sondern ihre ureigene Tradition bewahrt. Dazu gehört auch, dass viel gegessen und getrunken wird – in diesem Jahr beinahe zu viel: der große Andrang und der überaus heiße Sommertag sorgten für einen Rekordabsatz an Getränken. Die dreifache Menge vom letzten Jahr ließen die Kaltgetränkevorräte dahin schmelzen. Gut, dass der Kastellan noch mit Flaschen nachhelfen konnte.

Eine Überraschung war die starke Beteiligung an den beiden Achterrennen, zu denen insgesamt elf Teams gemeldet hatten. Zahlreichen Zuschauer verfolgten mit großer Begeisterung diese Abschlussrennen der traditionellen 400-Meter-Sprintregatta. Für den „Harald-Freitag-Gedächtnis-Achter“ hatten in diesem Jahr sechs Boote gemeldet, aus denen in zwei Vorläufen die vier Finalteilnehmer ermittelt wurden. Nach einem überaus spannenden Bord-an-Bord-Kampf gewann der Münsteraner Regattaverein den Wanderpokal mit einem schließlich sicheren Vorsprung vor der Renngemeinschaft Ruderklub am Baldeneysee / Wassersportverein Mülheim. Auch traditionell: hinterher wird der große Gedächtnispokal mit Bier gefüllt und macht die Runde durch die Siegerhände, bis der letzte Tropfen raus ist. Auch eine Motivation im nächsten Jahr wieder dabei zu sein, um dies live und hautnah miterleben zu können.

Dr. Michael Evers