Ruderriege

Die Ruderriege im TVK wurde im Jahre 1938 von den Herren Wilhelm Becker, Hermann Aumann, Willi Schulze-Allen, Erich Rüskamp, Wilhelm Bleckmann und Fritz Nietheidt gegründet. Der Gedanke dazu war nahe liegend, denn das Vereinsheim des Turnvereins direkt am Wasser war vorhanden.

Die ersten Ruderer im TVK waren daher Turner. Turner, die zur Abwechslung einmal ihren sportlichen Ehrgeiz auf dem Wasser befriedigen wollten. Zur Verfügung stand dafür eine "Arche", die mit 1,20m Breite die nötige Sicherheit für Anfänger bot. Das zweite Boot, die "Kopperdrei", ein Gig-Zweier, gehörte bis in die siebziger Jahre zum festen Bootsbestand. 1939 wurde unter dem Namen "Wolfgang" der erste Vierer in Dienst genommen – gestiftet von Wilhelm Becker.

Überspringen wir die Jahre bis 1946. In diesem Nachkriegsjahr war die Ruderriege erstmals auf einer Regatta vertreten. Mit einem Doppelzweier waren die Männer und die Frauen im Stilrudern auf der vom Steeler Postsportverein ausgerichteten Regatta erfolgreich dabei.

Die Jugendmeistertitel im Achter 1977 war der Auftakt zu einer ungeahnten Erfolgsserie!

Zum 75-jährigen TVK-Jubiläum 1952 fühlte sich die Ruderriege so stark, dass sie erstmals selber als Ausrichter einer Ruderregatta in Erscheinung trat. Eine Regatta ohne Formalitäten, ohne amtliche Schiedsrichter, ohne elektronische Zeitnahme, ohne EDV: Kurz, der Fronleichnamstag wurde zum Treffpunkt von Ruderern, Ruderinnen und Freunden unseres Vereins. Geselliges Beisammensein und Gemütlichkeit waren die Hauptsache. Rudern war – zumindest für die meisten – Nebensache.

Der erste internationake große Sieg: Gold beim "Match des Seniors" 1981 auf dem Baldenysee

So nach und nach wurde aus dem Rudertreffen in Kupferdreh eine offizielle Regatta des Deutschen Ruderverbandes. Wir wollen aber nicht vergessen, dass unsere Regatta in erster Linie durch die Hilfe bzw. Meldungen der Essener Rudervereine und Schülerruderriegen ihren derzeitigen Stand erreichen konnte. Insgesamt 50 Mal haben wir die Ruderregatta am Fronleichnamstag bisher durchgeführt, die gerade in den letzten zehn Jahren eine immer größere Beteiligung erfuhr. Um die 1.000 Teilnehmer waren dabei keine Seltenheit mehr. Höhepunkt war das Jahr 2000, in dem wir 54 Vereine mit 550 Booten und 1.350 Aktiven begrüßen konnten. In Anerkennung unserer guten Regattaorganisation vergab der Deutsche Ruderverband seine erste Deutsche Sprintmeisterschaft an uns, die wir unter großer Beachtung der deutschen Ruderwelt im Oktober 1997 durchführten. Siebenmal waren wir bisher Ausrichter eines Laufes zum Deutschen Ruderpokal und zweimal (1995 und 2001) der Rennen zur Ruhrolympiade.

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Nicht nur Rennen werden bei der Ruderriege gefahren, sondern auch attraktive Wanderfahrten wie hier am Vierwaldstätter See 1988

Neben den Regatten haben wir auch über viele Jahre hinweg den Schwimmwettkampf des Nordrhein-Westfälischen Ruderverbandes im Essener Hauptbad veranstaltet, an dem stets zahlreiche Vereine aus ganz NRW teilnahmen. Dieser Winter-Wettkampf wurde vor zehn Jahren abgelöst durch die Talentiade der NRW-Ruderjugend, die bisher neunmal unter unserer Regie in der Kupferdreher Sporthalle stattfand. So spielt der Breitensport nach dem Motto "Rudern von Acht bis Achtzig" in der Ruderriege überhaupt eine wichtige Rolle, denn der größte Teil der Mitglieder sieht den Sport als reine Freizeitbeschäftigung. Neben den regelmäßigen Ausfahrten auf dem Baldeneysee und der Ruhr stehen in jedem Jahr eine Reihe von Wanderfahrten auf dem Programm, welche die Kupferdreher Ruderer auf fast alle deutschen Flüsse führen. Aber auch Fahrten im Ausland gehören dazu, so u.a. in Norwegen, Dänemark, Holland, Belgien, Frankreich, Österreich, Ungarn, Jugoslawien und in der Schweiz.

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Der Deutschland-Achter seiner Gold-Fahrt
Ansgar Wessling beim Bad in der Menge beim Empfang auf dem Kupferdreher Markt 1988

Voraussetzung für den Sportbetrieb ist ein funktionierender Bootspark, der in drei Bootshallen untergebracht ist. Ohne die ständige Unterstützung durch die Mitglieder, die sich hierbei zum Teil durch Spenden oder aber durch die Durchführung von notwendigen Reparaturen engagieren, wäre es nicht möglich, die große Zahl Boote für den täglichen Ruderbetrieb zur Verfügung zu stellen.

Dank gilt hier neben vielen privaten Spendern aber auch zahlreichen Firmen oder Institutionen, die uns immer wieder gefördert haben – so insbesondere der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, der wir sehr viel zu verdanken haben, aber auch der Geno Bank Essen und der Sparkasse Essen.

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Die Goldmedaille
Paraguay widmete dem deutschen Achter und Ansgar Wessling sogar einen Briefmarkenblock



Bis 1967 konnte die Ruderriege stets 50 und mehr Mitglieder aufweisen. Ein gewaltiger Sprung nach vorn ergab sich, als sich 1968 die Schülerruderriege der Carl-Humann-Schule unserem Verein anschloss. Dadurch wurden die Mitgliederzahlen plötzlich mehr als verdoppelt. Auch als Ende 1972 die Albert-Einstein-Schule zu unserem Verein kam, gab es einen weiteren Ruck nach vorn. Im Jahre 1977 schloss sich dann das Gymnasium Überruhr unserer Ruderriege an.

Bedingt durch das Kinderrudern konnten wir auch die Eltern für den Rudersport begeistern. So zählten wir in den letzten 20 Jahren jeweils zwischen 250 und 300 Mitglieder.

Viele Namen sind eng mit der Entwicklung unserer Abteilung verbunden. Beschränken wir uns auf die Namen der Abteilungsleiter, sprich Vorsitzenden der Ruderriege:

 

1946 - 1948

Willi Becker

1949 - 1953

Wilhelm Schulze-Allen

1954 -1956

Kurt Friedmann

1957 -1958

Marian van den Wyenbergh

1959

Erwin Treudt

1960 -1962

Karl-Heinz Schliephake

1963 -1964

Helmut Bleckmann

1965 -1967

Karl-Heinz Schliephake
(Heinz Daams zwei Monate kommissarisch)

1968 -1975

Hermann Schüttpelz

1976

Julius Syassen (kommissarisch)

1977 - 1985

Arend Janssen

1986 - 1997

Ulrich Bäumer

1998 - 1999

Arend Janssen

2000 - 2002

Dr. Holger Olbrück

seit 2003

Dr. Michael Evers

Das TVK-Vereinsheim am Tag der traditionellen Regatta am Fronleichnamstag 1990

Unter der Leitung von Hermann Schüttpelz wurden erstmals alle Möglichkeiten, die unser Vereinsheim und die günstige Lage am oberen Baldeneysee bieten, voll genutzt. Hinzu kamen viele gute Ideen und eine außergewöhnlich starkes Engagement. In die Vorstandszeiten von Arend Janssen und Ulrich Bäumer fallen die größten sportlichen Erfolge in der Vereinsgeschichte.

Nach den Trainern Hermann Mundt, Paul Küpper, Günter Heckmann, Werner Schade, Fritz Ruhlandt, Helmut Stratenhoff, Gerwin Schüttpelz und Ivan Reder, denen wir viele Erfolge im Rennsport zu verdanken haben, übernahm im Jahre 1975 Joachim Ehrig bei uns die Trainingsleitung. Zusammen mit Udo Menning hat es Joachim „Goofy“ Ehrig vortrefflich verstanden, Jugendliche  für den Rennsport zu begeistern und sie technisch hervorragend auszubilden.

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Buntes Treiben am Regattatag

Bis zum Weggang von Joachim Ehrig im Jahre 1986 konnten wir fast 1.000 Siege an unsere Fahnen heften.

In den Folgejahren waren Oliver Niese, Ioan Danga, Robert Kröner, dann wieder kurzzeitig Joachim Ehrig und Peter Seidel als Junioren-Trainer erfolgreich bei uns tätig. Seit Mitte 2003 zeichnet sich Frank Decker für die weiter fortgeführte Erfolgswelle in der Ruderriege TVK verantwortlich. Gemeinsam mit Susanne Powierski, die schon seit 1995 die jugendlichen Ruderanfänger sowie das Nachwuchsrudern bei den 10 bis 14-jährigen Jungen und Mädchen betreut, werden anspruchsvoll und qualitativ hochwertig die Haupttrainingsbereiche des Jugendsports geleitet.

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An der Talentiade, die der TVK jedes Jahr für den NWRV ausrichtet, nehmen mehrere hundert Kinder aus ganz NRW teil

Insbesondere im Jugendbereich waren unsere Ruderer durch den Gewinn von 21 Deutschen Jugendmeisterschaften und durch die Berufung in die Nationalmannschaft, mit der sie in insgesamt 15 Booten an zehn Junioren-Weltmeisterschaften teilnahmen, besonders erfolgreich. Dabei gewannen sie einen Weltmeistertitel sowie eine ganze Reihe von Silber- und Bronzemedaillen. Fünfmal ging der Deutsche Jugendpokal für die beste Gesamtleistung bei den Deutschen Jugendmeisterschaften an unsere Ruderriege. Im Kinderrudern gehören wir seit rund 25 Jahren zu den erfolgreichsten Vereinen Nordrhein-Westfalens und sind damit ein wesentlicher Garant für das hervorragende Abschneiden der Landesruderjugend beim jährlichen stattfindenden Bundeswettbewerb.

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Die Bootstaufe 2000 fand bei Fackelschein statt - Ein ganz besonderes Ereignis

Neben zehn Titelgewinnen bei den Eichkranzrennen (Deutsche Senior-B-Meisterschaften der 19- bis 23-Jährigen U23) gab es 14 Meistertitel bei den offenen Deutschen Meisterschaften. Am Match des Seniors (dem Europa-Cup der U23) war die Ruderriege fünfmal mit einer ganzen Reihe von Aktiven dabei und war nicht nur viermal als Cup-Sieger, sondern auch auf den weiteren Plätzen erfolgreich.

In der "Offenen Klasse" waren leistungssportliche Höhepunkte der Gewinn der olympischen Goldmedaille durch Ansgar Wessling im Deutschlandachter 1988 in Seoul bzw. der Gewinn der Bronzemedaille 1992 in Barcelona, sowie seine beiden Weltmeistertitel 1989 in Bled und 1991 in Wien. Zwei Vize-Weltmeisterschaften gehen ebenfalls auf sein Konto. Insgesamt waren TVK-Ruderer in neun Nationalmannschaftsbooten bei Weltmeisterschaften am Start.

Unsere Ruderriege ist bisher übrigens der einzige Essener Ruderverein, der den Gewinn einer olympischen Goldmedaille verzeichnen kann.

Ulrich Bäumer

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