2013 - die Ruderriege wurde 75!

Am Wochenende des 16. und 17. November im Jahre 2013 beging die Ruderriege TVK Essen feierlich ihr 75-jähriges Bestehen sowie auch das 25-jährige Jubiläum des Olympiasiegs von Ansgar Wessling in Seoul 1988. Die Dokumentation dieses Events ist im Internet hinterlegt - hier klicken. Im Rahmen der Festveranstaltungen wurde auch die Historie die Ruderriege neu aufgearbeitet und aktualisiert. Nachstehender Beitrag ist daraus erwachsen. Der Vorstand der Ruderriege wünscht viel Spaß und schöne Erinnerungen bzw. Erkenntnisse beim Lesen.
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Die Ruderabteilung – von 1938 bis 2013

Der Verlauf der Ruhr vor 1900 - noch ohne Baldeneysee!

 

Eigentlich merkwürdig, oder?

 

Gut 60 Jahre brauchte es, bis sich der Turnverein 1877 Essen-Kupferdreh (TVK) auch eine Ruderabteilung leistete!

Eine wesentliche Rolle dürfte dabei das Projekt Aufstauung der Ruhr zwischen Werden und Kupferdreh zur „Schaffung eines Ruhrtalsees“, dem heutigen Baldeneysee, ab dem Jahre 1929 gespielt haben.

Unterstützt durch die recht gute Kassenlage der Turner des TVK entwickelte sich ungefähr ab 1933 neben den – wieder erstarkten – (Paddel- und) Ruderaktivitäten ebenfalls der Gedanke des Baus eines eigenen TVK-Vereinsheims, direkt am Wasser der aufgestauten Ruhr.

1935: Große Bootstaufe anlässlich der Fertigstellung des neuen Bootshauses

Dass auch schon früher die schöne Ruhr von den Kupferdrehern bzw. den Mitgliedern des TVK für wassersportliche Aktivitäten genutzt wurde, scheint nur logisch. So stiftete der Kaufmann Julius Anstock aus Straßburg dem TVK im Jahre 1908 bereits ein Ruderboot, das zunächst auch gerne benutzt wurde.

Da die Nutzung des Ruderbootes aber wohl nicht ordentlich geregelt war, gründete man im Jahre 1908 zwei Ruderriegen (!) unter der Aufsicht von Obmännern. Diese Obmänner sollten Schreiner sein und das Boot in Ordnung halten. Inzwischen war die Anschaffung eines zweiten Bootes in Aussicht gestellt.

Für jede Benutzung sollten 20 Pfennig kassiert und auch ein Unterstand gebaut werden. Wer Mitglied der Ruderriegen werden wollte, musste zuerst eine Schwimmprobe ablegen. Außerdem schloss der Verein eine Haftpflichtversicherung ab.

Putzen der benutzen Boote vor dem neuen Bootshaus

Die in verschiedener Hinsicht recht aktiven Mitglieder des TVK bauten nicht nur ein Teil ihrer Boote selbst und verfügten damit Ende 1933 bereits schon über 15 (Paddel- und Ruder-) Boote, sie bauten auch wesentlich das neue Vereinsheim des TVK selbst mit auf, das auf einem ca. 800 qm großen Gelände am oberen Ende des Baldeneysees auf der Kupferdreher Seite gelegen war.

Damit die wertvollen Boote geschützt waren, wurde ebenerdig eine Bootshalle gebaut und die eigentlichen Vereinsheimräume quasi oben drauf kombiniert. Bezogen wurde das Vereinsheim im Jahre 1934, offiziell eingeweiht wurde es im Folgejahr.

Kurioserweise war dieser Bootshausbau auch der eigentliche Anlass der „echten“ Vereinswerdung des heutigen Turnverein 1877 e.V. Essen Kupferdreh, denn der Bau erforderte erstmalig die gerichtliche Eintragung im Vereinsregister beim Amtsgericht.

Auswirkungen der zerstörten Möhnetalsperre im 2. Weltkrieg nach dem 17. Mai 1943

Es dauerte dann noch bis ins Jahre 1938 bis zur „offiziellen“ Gründung der heutigen Ruderabteilung durch die Herren Wilhelm Becker, Hermann Aumann, Willi Schulze-Allen, Erich Rüskamp, Wilhelm Bleckmann und Fritz Nietheidt.

Die genauen Umstände sind leider nicht im Detail bekannt, auch existiert kein Beleg, etwa eine Gründungsurkunde, so dass das genaue Datum über das Jahr 1938 hinaus nicht zu ermitteln ist. Es wird zudem vermutet, dass zunächst Wilhelm Becker der erste Vorsitzende der neuen Ruderriege des TVK war, aufgrund der Wirren, die die folgenden Kriegsjahre des 2. Weltkriegs nach sich zogen, lässt sich dies nicht eindeutig belegen.

Ruder-Wettfahrten spielten schon sehr früh eine wichtige Rolle
Der erste internationake große Sieg: Gold beim "Match des Seniors" 1981 auf dem Baldenysee

Rückblickend kann jedenfalls festgehalten werden, dass Turnen und Rudern im TVK einen gemeinsamen Entwicklungsstamm haben: Die ersten Ruderer waren wohl eben überwiegend Turner des TVK!

Zur Ausübung des Rudersports stand zunächst nur die „Arche“, ein Boot mit einer noch außerordentlichen Breite von 1,20 Metern, damit ausreichend kippsicher, zur Verfügung. Das zweite Boot, die „Kopperdrei“, ein Gig-Zweier, sollte bis in die siebziger Jahre zum festen Bootsbestand gehören. 1939 wurde unter dem Namen „Wolfgang“ der erste Vierer in Dienst genommen – gestiftet von Wilhelm Becker.

Gleichwohl war die Ruderriege bereits 1946 im ersten Nachkriegsjahr erstmals auf einer Regatta vertreten. Mit einem Doppelzweier waren die Männer und die Frauen im Stilrudern auf der vom Steeler Postsportverein ausgerichteten Regatta erfolgreich dabei. 1951 erfolgte die Aufnahme der Ruderabteilung des TVK in den Deutschen Ruderverband.

Sprint-Regatta am Fronleichnamstag - für jung und alt, männlich und weiblich, Leistungs- und Breitensportler

Zum 75-jährigen TVK-Jubiläum im Jahre 1952 fühlte sich die Ruderriege so stark, dass sie am Fronleichnamstag erstmals selber als Ausrichter einer Ruderregatta in Erscheinung trat.

Zunächst war es eine Regatta der "Interessengemeinschaft der Essener Rudervereine“ für die Essener Rudervereine – noch ohne Formalitäten, ohne amtliche Schiedsrichter, ohne jegliche technische Einrichtungen. Geselliges Beisammensein und Gemütlichkeit waren die Hauptsache. Rudern war – zumindest für die meisten – Nebensache.

Flyer zur Sprintregatta am Fronleichnamstag

Kurz, der Fronleichnamstag wurde zum jährlichen Treffpunkt von Ruderern und Ruderinnen, Freunden des Vereins und des Rudersports sowie der Bürger von Kupferdreh.

Von Jahr zu Jahr wurde die Regatta professioneller organisiert: von einer Zeitmessung, der Nutzung von Bojenketten zur Streckenabgrenzung, dem Einsatz der Startbrücke der Stadt Essen bis hin zur Computer- und Internet-basierten Abwicklung. In das Programm der Sprintregatta wurden zusätzliche Wettkämpfe integriert, wie mehrfach die Läufe zum „Deutschen Ruderpokal“ als auch die Ruderrennen zur „Ruhrolympiade“.

So entwickelte sich die Kupferdreher Sprintregatta am Fronleichnamstag - zur Homepage hier klicken - mit ihrer ungewöhnlich kurzen Wettkampf-Distanz von 400 Metern zu einem wichtigen Datum im Regattakalender von Ruder-Deutschland. Bis über 1.000 Teilnehmer waren dabei keine Seltenheit mehr. Höhepunkt war das Jahr 2000, in dem die Ruderriege 54 Vereine mit 550 Booten und 1.350 Aktiven begrüßen konnte.

Volles Haus bei der Sprint-Regatta
Voller Einsatz bei den Sprint-Rennen
Siegerehrung des Ruder-Nachwuchses

In Anerkennung der guten Regattaorganisation der Ruderriege des TVK vergab der Deutsche Ruderverband zum Ende des Jahres 1996 seine neu geschaffene, 1. Deutsche Sprintmeisterschaft an den TVK.

Diese wurde unter intensiver Beachtung der deutschen Ruderwelt im Oktober 1997 – mit großem Erfolg – durchführt. Immerhin: Seit dieser Zeit ist die Deutsche Sprintmeisterschaft fester Bestandteil im jährlichen Meisterschaftsprogramm des Deutschen Ruderverbandes!

Leider gestalteten sich der sich verfestigende Regattakalender des Deutschen Ruderverbandes, die zunehmende Konkurrenz durch andere Sprintregatten (wie u.a. die Ruderbundesliga) sowie der nicht bundeseinheitliche Feiertag als zunehmende Hürde für unsere Regatta, und führte in Summe zu sinkenden, nicht mehr wirtschaftlichen Meldezahlen. Im Jahre 2011 wurde die Regatta zunächst letztmalig durchgeführt. Vor allem von der eingeschworenen Fan-Gemeinschaft (auch der „Ehemaligen“), die sich alljährlich bei uns am Regattaplatz zum großen Hallo einfanden, wird die „Dorf-Regatta“ seither vermisst.

Aber offenbar zeichnet sich hier eine Lösung ab: Erfreulicherweise hat sich Ende 2013 ein Team unter der Leitung von Hanno Sewald gefunden, die sich bemühen, ab 2014 der Regatta wieder neues Leben einzuhauchen.

In den 70er und 80er Jahren veranstaltete die Ruderriege auch den Schwimmwettkampf der Ruderer im Auftrag des NWRV

Neben den Ruderregatten hat die Ruderriege auch über viele Jahre hinweg den "Schwimmwettkampf der Ruderer" des Nordrhein-Westfälischen Ruderverbandes NWRV im Essener Hauptbad veranstaltet, an dem stets zahlreiche Vereine aus ganz NRW teilnahmen.

Dieser Winter-Wettkampf wurde im Jahre 1992 abgelöst durch die seit dem alljährlich stattfindende „Rudernachwuchs-Talentiade“ der NRW-Ruderjugend, die bisher zwanzigmal unter Regie der Ruderriege in der großen Kupferdreher Sporthalle stattfand. Dort wird aus jeweils ca. 300 Kindern aus mehr als 20 Vereinen in einem 12er-Kampf das Ruder-Talent des Jahres ermittelt. Siehe dazu auch die Talentiade-Homepage, hier klicken.

Flyer zur NRW-Talentiade
Spannung in der Schleuse bei der Wanderfahrt
Wanderfahrt auf dem Vierwaldstätter See 1988

Überhaupt spielt der Breitensport nach dem Motto „Rudern von Acht bis Achtzig“ in der Ruderriege eine wichtige Rolle, denn ein großer Teil der Mitglieder sieht den Rudersport als Fitness- oder Freizeitbeschäftigung an.

Neben den regelmäßigen Ausfahrten auf dem Baldeneysee und der Ruhr stehen in jedem Jahr eine Reihe von Wanderfahrten auf dem Programm, die die Kupferdreher Ruderer auf fast alle deutschen Flüsse führen. Aber auch Fahrten im Ausland gehören dazu, so u.a. in Norwegen, Dänemark, Holland, Belgien, Frankreich, Österreich, Ungarn, ehem. Jugoslawien und in der Schweiz – gesammelt nachlesbar auf einer speziellen Seite im Internet der Ruderriege, dem Wanderfahrts-Portal, hier klicken.

Voraussetzung für den Sportbetrieb ist ein funktionierender Bootspark, der in den mittlerweile drei Ruderbootshallen untergebracht ist seit Anfang 2000 und über 60 Boote im Neuwert von rund einer halben Millionen Euro umfasst.

Ohne die ständige Unterstützung durch die Mitglieder, die sich hierbei zum Teil durch Spenden oder aber durch die Durchführung von notwendigen Reparaturen engagieren, wäre es nicht möglich, diese große Zahl von Booten für den täglichen Ruderbetrieb zur Verfügung zu stellen.

Unser Dank gilt hier aber auch zahlreichen Firmen oder Institutionen, die den Rudersport in Kupferdreh immer wieder gefördert haben – so insbesondere der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, der wir sehr viel zu verdanken haben, aber auch der Geno Bank Essen und der Sportstiftung der Sparkasse Essen. 

Die Jugendmeistertitel im Achter 1977 war der Auftakt zu einer ungeahnten Erfolgsserie!
Auch die Mitgliedszahlen stiegen in der 80er Jahren "dramatisch" an und stabilisieren sich nun bei ca. 200

Bis 1967 konnte die Ruderriege stets 50 und mehr Mitglieder aufweisen. Ein gewaltiger Sprung nach vorn ergab sich, als sich 1968 die Schülerruderriege des Carl-Humann-Gymnasiums unserem Verein anschloss. Dadurch wurden die Mitgliederzahlen plötzlich mehr als verdoppelt. Auch als Ende 1972 die Albert-Einstein-Schule zu unserem Verein kam, gab es einen weiteren Ruck nach vorn. Im Jahre 1977 schloss sich dann das Gymnasium Überruhr unserer Ruderriege an.

Bedingt durch das Kinderrudern konnten wir auch die Eltern für den Rudersport begeistern. So zählten zur Ruderriege in Spitzenzeiten bis zu 300 Mitglieder. Der harte Wettbewerb der diversen Sportangebote in einer Großstadt wie Essen sowie die veränderte Freizeitorientierung und die veränderten Schulformen sind aber eine beständige Herausforderung an den Erhalt der Mitgliedschaft. Über ein gutes und qualitatives Angebot sowie das Engagement der Mitglieder konnte in den letzten 10 Jahren jeweils eine Mitgliederzahl von ca. 200 gehalten werden.

Die Entwicklung der Ruderriege war, ist und wird stets eng verbunden sein mit bestimmten Mitgliedern. Zuerst sind die Abteilungsleiter, sprich Vorsitzenden der Ruderriege, zu nennen:

  • 1938 - 1945   Wilhelm Becker (?)
  • 1946 - 1948   Wilhelm Becker
  • 1949 - 1953   Wilhelm Schulze-Allen
  • 1954 - 1956   Kurt Friedmann
  • 1957 - 1958   Marian van den Wyenbergh
  • 1959              Erwin Treudt
  • 1960 - 1962   Karl-Heinz Schliephake
  • 1963 - 1964   Helmut Bleckmann
  • 1965 - 1967   Karl-Heinz Schliephake
         (Heinz Daams zwei Monate kommissarisch)
  • 1968 - 1975   Hermann Schüttpelz
  • 1976              Julius Syassen (kommissarisch)
  • 1977 - 1985   Arend Janssen
  • 1986 - 1997   Ulrich Bäumer
  • 1998 - 1999   Arend Janssen
  • 2000 - 2002   Dr. Holger Olbrück
  • seit 2003        Dr. Michael Evers

 

 

Mit neuen Methoden zum Erfolg: Vorsitzender Schüttpelz mit Sohn
Arend Janssen gibt den Takt vor
Ulrich Bäumer ehrt Ansgar Wessling mit TVK-Sekt
Der Deutschlandachter holt Gold 1988 in Seoul

Unter der Leitung von Hermann Schüttpelz wurden zum Ende der sechziger Jahre erstmals alle Möglichkeiten, die unser Vereinsheim und die günstige Lage am oberen Baldeneysee bieten, ausgebaut und voll genutzt. Hinzu kamen viele gute Ideen und ein außergewöhnlich starkes Engagement. Hermann Schüttpelz prägte die Ruderriege vor allem in Richtung des Leistungssports, in dem er vermehrt Rennboote beschaffte, qualifizierte Trainer einstellte und den Leistungsgedanken fokussierte. Zudem stärkte er die Identität der Ruderriege, gab ihr eine eigene Satzung, erhob den Abteilungsleiter zum „Vorsitzenden“ der Ruderriege und schuf ein eigenes Logo. Er selbst war nach seiner Vorsitzendenzeit noch als Ausbilder im Nachwuchsbereich tätig.

Den leistungssportlichen Ansatz griffen in der Folgezeit sowohl Arend Janssen als auch Ulrich Bäumer in ihrer jeweiligen Vorsitzendentätigkeit konsequent auf. Ab Ende der siebziger bis in die frühen neunziger Jahre rollte in jeder Saison eine Erfolgswelle nach der nächsten. In diese Zeit fallen die bislang größten sportlichen Erfolge in der Vereinsgeschichte: Fünf Mal hintereinander konnte der Deutsche Jungendpokal bei den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften gewonnen werden, was in der westdeutschen Rudergeschichte bislang einmalig geblieben ist, und es konnte die Goldmedaille im Männer-Achter bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul gewonnen werden.

Der durchaus ungewöhnliche Renn-Aufruf zu einer Ruderregatta: „Turnverein Kupferdreh bitte an den Start auf Startbahn 1“ ertönte nicht nur in Deutschland, sondern überall in Europa und bei allen wichtigen Regattastrecken, ob in Luzern auf dem Rotsee, der Henley Royal Regatta oder beim "Head of the River" in London.

Die Vereinigung Deutschlands veränderte die Ruderlandschaft in den 90er Jahren jedoch zunehmend und radikal, was auch nicht ohne Auswirkungen auf die Ruderriege und ihre Erfolge bleiben sollte.

Spektakulär - Bootstaufe im Fackelschein durch Dr. Olger Olbrück im Jaar 2001 auf der Bootshaus-Terasse

In das neue Jahrtausend wurde die Ruderriege unter der Führung von Dr. Holger Olbrück mit einer komplett neuen Vorstandsmannschaft getragen – und markierte damit einen Generationswechsel. Die neue Mannschaft aktivierte den alten Geist, startete ein großes Investitionsprogramm und richtete die Ruderriege erneut auf den Leistungssport aus, ohne jedoch den Breitensport zu vergessen.

Michael Evers erhält mit Trainern Menning (l.) und Ehrig den Deutschen Jugendpokal 1982 in München überreicht
Gemeinschaftlich in Blau und Gelb zum Erfolg - die Essener Rudervereine als ERRV

Im Jahre 2003 übernahm Dr. Michael Evers den Vorsitz, vom Stuhl des Sportvorsitzenden kommend. Unter seiner Leitung konnte wiederum eine Konstanz auf hohem Niveau bis in die Gegenwart erzielt werden.

Eine wesentliche Rolle spielte dabei die intensive und erfolgreiche Kooperation der sechs Essener Rudervereine unter dem Dach des „Essener Ruder-Regatta Verein“ (ERRV), die sogar von der Sportstiftung-NRW finanziell gefördert wird.

Auch die Ernennung Essens zum „Ruder-Bundesstützpunkt Nachwuchs“ im Jahre 2009 von Seiten des Deutschen Ruderverbandes (DRV), dem Deutschen Olympischen Sport Bund (DOSB) und letztendlich dem Bundesministerium für Inneres (BMI) geht auf das gemeinsame Engagement der Essener Ruder-Funktionäre zurück.

Erfolgstrainer-Duo Udo Menning (l.) und "Goofy" Ehrig - in jungen Jahren

Nach den Trainern Hermann Mundt, Paul Küpper, Günter Heckmann, Werner Schade, Fritz Ruhlandt, Helmut Stratenhoff, Gerwin Schüttpelz und Ivan Reder, denen wir viele Erfolge im Rennsport zu verdanken haben, übernahm im Jahre 1975 Joachim Ehrig die Trainingsleitung in der Ruderriege. Zusammen mit Udo Menning hat es Joachim Ehrig vortrefflich verstanden, Jugendliche für den Rennsport zu begeistern und sie technisch hervorragend auszubilden. Bis zum Weggang von Joachim Ehrig im Jahre 1986 konnte die Ruderriege über 1.000 grün-weiße „Siegeswimpel“ im Junior- und Seniorbereich (U17 / U19 / U23 / Offene Klasse) an ihrem Fahnenmast hochziehen.

Trainer Frank Decker und Susanne Powierski (M.) mit Anna Kurek und Laura Kampmann

In den Folgejahren waren Oliver Niese, Ioan Danga, Robert Kröner, Peter Seidel sowie zeitweise wieder Joachim Ehrig als Trainer bei uns tätig. Seit 2003 liegt die Verantwortung für den Leistungssport im Junior- und Seniorbereich bei Trainer Frank Decker, der neben dem A-Schein auch den Diplomtrainer besitzt sowie seit 2010 auch am Bundesstützpunkt Nachwuchs in Essen trainerisch tätig ist. Er fokussierte wieder auf einen hohen technischen Anspruch und bevorzugte die Ausbildung im Skullbereich. Damit führte er den Leistungssport in der Ruderriege auf die alte Erfolgsspur zurück. Bislang konnte er bereits vier Boote auf Weltmeisterschaften bis hin zum Titelgewinn begleiten.

Die Hauptverantwortung im Kinderbereich (U15) liegt bei Susanne Powierski, die sich seit 1995 – jüngst haupsächlich unterstützt durch Sebastian Ridder – konstant engagiert. Schon seit den 70er Jahren (damals unter Trainer Gerd Müller) zählt die Ruderriege zu den erfolgreichsten Vereinen in NRW beim jährlichen Landeswettbewerb im Kinderrudern und damit mit der besten Nachwuchsarbeit.

Unter der Ägide dieser Trainer summierte sich eine ansehnliche Ergebnisbilanz (für Details hier klicken):

  • Ungezählte Landessiege sowie 3x Bundessieger bei U15
  • 5x    Deutscher Jahrgangsmeister U17
  • 24x  Deutscher Jahrgangsmeister U19
  • 13x  Teilnahme bei Weltmeisterschaften U19 
                 in insgesamt 19 Booten, 
                 davon 5x Weltmeister
  • 11x  "Eichkranzsieger" bzw. Deutscher Jahrgangsmeister U23
  • 5x    Teilnahme am Europa-Cup „Match des Seniors“ U23 
                 in insgesamt 9 Booten, davon 4 x Gold
  • 13x  Deutscher Sprintmeister
  • 14x  Deutscher Meister
  • 9x    Teilnahme an Weltmeisterschaften, 
                 dabei 2x Gold, 2x Silber, 1x Bronze
  • 2x    Teilnahme an Olympischen Spielen, 
                 dabei 1x Gold, 1x Bronze
Ansgar Wessling beim Bad in der Menge beim Empfang auf dem Kupferdreher Markt 1988
Briefmarke aus Paraguay


Erfolgreichster Sportler der Ruderriege des TVK war bisher Ansgar Wessling. Leistungssportliche Höhepunkte auf seinem Konto sind der Gewinn der olympischen Goldmedaille im Deutschlandachter 1988 in Seoul, die Bronzemedaille 1992 in Barcelona sowie die Weltmeistertitel 1989 in Bled und 1991 in Wien.

Mit Ansgar Wessling saßen zwei weitere Ruderer im Olympiaachter von 1988, die in der Ruderriege des TVK das erfolgreiche Rudern gelernt hatten: Armin Eichholz und Thomas Domian. Das Land Paraguay widmete dem deutschen Achter - und damit auch Ansgar Wessling - sogar einen Briefmarkenblock.

Die Ruderriege TVK Essen ist damit bisher übrigens der einzige Essener Ruderverein, der den Gewinn einer olympischen Goldmedaille verzeichnen kann.

Erst einen Ruderkurs, dann siegen!

Um Nachwuchsruderer in der Ruderriege zu sein, muss man aber nicht zwingend ein noch jugendliches Alter aufweisen. Auch Erwachsenen offeriert die Ruderriege, den schönen Baldeneysee vom Wasser aus zu „erobern“. Dazu werden spezielle Ruderkurse angeboten.

In den letzten Jahren wurden unter der Leitung von Petra Franz stets mehrere Vierer-Mannschaften aufs Wasser gebracht und einer soliden technischen Ausbildung unterzogen. Ihre Vorgängerin, Christa Zöller, war zudem eine ersten Frauen im Vorstand der Ruderriege. In ihrem „Fahrwasser“ erhöhte sich die Frauenquote deutlich und nachhaltig.

Mit "Green Power" in die Zukunft!

Neben der guten und kontinuierlichen Nachwuchsarbeit mit den vielen guten Trainern sowie dem großen Bootspark, ist es vor allem die Breite von rund 200 Mitgliedern und vielen Freunden und Ehemaligen, aus denen sich immer wieder einzelne oder mehrere Personen uneigennützig in verschiedenen Bereichen zum Wohle der gesamten Ruderriege hervortun und sie damit weiterbringen. Der Vorstand der Ruderriege wird dieses so wichtige Engagement seiner Mitglieder und Freunde stets bestmöglich unterstützen.

Auf dieses Fundament, diese „Green Power“, kann die Ruderriege stolz sein und sich auf seine weitere Zukunft freuen. In diesem Sinne: „Riemen- und Dollenbruch für die nächsten 25 Jahre!“
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Dr. Michael Evers unter Mitwirkung von Ulrich Bäumer und unter Bezugnahme auf J. Rainer Busch

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