Historie

Drachenboot in China
Drachenboot in China

Drachenbootrennen sind die moderne Inszenierung einer über 2000 Jahre alten Episode aus der Geschichte Chinas während der „Chu-Dynastie“. Überliefert ist, dass der beliebte Staatsmann und Poet Qu Yuan sich am fünften Tag des fünften Mondes in den Fluss Miluo stürzte, weil er über seine Verbannung nach einem angeblichen Verrat verzweifelt war und keinen Ausweg mehr sah. Die Fischer, die in Qu Yuan ihre einzige Chance zu einer Landreform gesehen hatten, lieferten sich ein Wettrennen, um ihn zu retten. Mit lauten Trommeln versuchten sie dabei, gefährliche Fische zu vertreiben. Außerdem warfen sie mit Reis gefüllte Blätter (Zong Zi) ins Wasser, damit der Körper nicht gefressen wurde. Doch ihre Mühen waren vergeblich...

Nach seinem Tode ehrten die Fischer Qu Yuan mit einem symbolischen Tuen Ng (Drachen-) Bootsrennen, bei dem in späteren Zeiten stets auch oberste Regierungsbeamte anwesend waren. Im Laufe der Jahrhunderte veränderte sich die Form der Boote und furchterregende Drachenköpfe wurden montiert, um böse Wassergeister fern zu halten. Das Drachenbootfest gehört auch heute in ganz China zu den drei wichtigsten Festen.

Aus dem eher rituellen Spektakel entwickelte sich eine Sportart, der im fernen Osten bei Drachenbootfestivals jeweils zehntausende Menschen zusehen. Auch europäische Kanuten nahmen immer wieder an diesen Sportveranstaltungen teil und brachten den Sport nach Europa. In Deutschland gab es erstmalig im Rahmenprogramm der Kanu-Weltmeisterschaft 1987 auf der Wedau in Duisburg ein Drachenbootrennen – ein Schaurennen mit zwei Booten. 1989 feierte der Hamburger Hafen seinen 800sten Geburtstag. Aufgrund der traditionellen Verbundenheit des Hafens mit Fernost veranstaltete man in diesem Zusammenhang das erste offizielle deutsche Drachenbootrennen auf der Binnenalster. Schon 1990 gründete sich der Deutsche Drachenboot-Verband (DDV) und seit 2003 gibt es im Deutschen Kanu-Verband (DKV) ein eigenes Ressort „Kanu-Drachenbootsport“. Heute gibt es deutschlandweit einige zigtausend Drachenbootaktive. Die beiden konkurrierenden Verbände DDV und DKV haben sich im vergangenen Jahr auf eine engere Zusammenarbeit verständigt. Das betrifft bspw. die Novellierung gemeinsamer Wettkampfbestimmungen und möglicherweise kommt es so in der Zukunft auch zu einer gemeinsamen Deutschen Meisterschaft.

Drachenboot Training
Das erste Training fand noch auf dem Trockenen statt.

Der Grundstein wurde im Juli 2002 gelegt als im Rahmen der Festwoche zum 125-jährigen Vereinsjubiläum des TVK die erste Kupferdreher Drachenbootregatta veranstaltet wurde. Die Begeisterung der elf teilnehmenden Teams wie auch der Zuschauer führte dazu, dass die Kupferdreher Drachenbootregatta seitdem (bis auf eine Ausnahme) jährlich ausgefahren wird und über die Jahre zur traditionellen Sportveranstaltung gewachsen ist. Die Regatta ist weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt und lockt mittlerweile jedes Jahr gut 60 Teams an zwei Veranstaltungstagen zum sportlichen Wettkampf auf den oberen Baldeneysee.

Treibende Kraft hinter der Regatta war über viele Jahre der vom Drachenboot-Virus schwer infizierte Regattaleiter und -organisator Manfred Brüner. Er investierte viel Zeit und Energie in die Veranstaltung, schaffte es darüber hinaus mit Bravour, immer auch genügend Mitstreiter und Helfer für diese aufwendigen Aktionen zu motivieren.

Aufgrund der kontinuierlich wachsenden Interessentenzahl wurden 2004 die ersten eigenen Steuerleute ausgebildet und ein stark gebrauchtes Boot angeschafft, das Michael Reinirkens mit viel Engagement und guten Kontakten wieder flott machte. Mit dem generalüberholten „Powerdrachen“ am Steg konnte ein regelmäßiges Drachenboottraining angeboten werden. „Die Trüffelschweine“ - Betriebssportgruppe von Lekkerland - waren die ersten mit festen Trainingseinheiten.

Ein Jahr später war es dann soweit: Im November 2005 wurde die Abteilung Drachenboot innerhalb des TVK gegründet. Es war der logische und notwendige Schritt, um der stark angestiegenen Zahl von Drachenbootsportlern im TVK und den wachsenden Aktivitäten gerecht zu werden. Die erfolgreiche Gründung verdanken wir Jochen Menzel, Manfred Brüner und Yvonne Glieneke. Jochen, langjähriges TVK-Mitglied und Initiator des Essener Drachenboot-Festivals, übernahm die Abteilungsleitung. TVK-Urgestein Manfred die Aufgaben des Stellvertreters und Abteilungskassierers. Yvonne Glieneke wurde sportliche Leiterin. Die erfahrene Drachenbootsportlerin aus Hannover war erst 2004 nach Essen gezogen und somit noch jung im Verein, konnte aber bereits in ihrem ersten Jahr beim TVK viele positive Akzente setzen. Das Führungstrio sorgte bereits im Jahr vor der Abteilungsgründung für derart gute Kontakte zu ortsansässigen Firmen, dass ein umfangreicher Mitgliederzuwachs erfolgte. Gleich drei Betriebssportgemeinschaften von RWE, Stadtwerke Essen und Evonik (früher: Goldschmidt) siedelten sich dadurch an.

Im Laufe der Zeit wurden zunehmend auch weitere Sportler in der Abteilung aktiv und die Gründungsmitglieder übertrugen ihre Aufgaben auf neue Kräfte. Aktuell besteht die Führungsriege aus der Abteilungsleiterin Regina Glose, dem Kassierer Christoph Hebing und dem sportlichen Leiter Michael Reinirkens.

Inzwischen hat die Abteilung neben dem Powerdrachen (mit 13 Bänken) drei weitere Standardboote mit 10 Bänken sowie ein kleines Boot mit 5 Bänken angeschafft. Darüber hinaus stehen zu Trainingszwecken zwei Einer- und ein Zweier-Outrigger zur Verfügung. Zur Abteilung gehören seit Jahren durchschnittlich 140 Mitglieder und damit sind wir eindeutig Essens größter Drachenboot-Stützpunkt!