06.09.17

Alt-Herren-Wanderfahrt 2017 | Nürnberg - Altmühltal

“ Im wunderschönen Monat Mai “ trafen sich 15 jüngere und ältere Altherren, um die Strecke von Nürnberg bis Kehlheim auf dem Donau-Main-Kanal und der Altmühl zu errudern. Wunderschön war in der Tat das Wetter, das sich im Unterschied zu Vorjahren von seiner besten Seite zeigte und somit schon zu einem bedeutsamen Teil der insgesamt sehr gut und harmonisch verlaufenen Wanderfahrt beitrug.

Die 15-köpfige Mannschaft war auch problemlos auf 2 Vierer, einen Zweier und 2 Mann Landdienst zu verteilen, die Positionen rochierten i.d.R. halbtäglich nach Plan.

Los ging's mit 2 Kleinbussen zunächst nach Nürnberg zum dortigen RVN-Vereinshaus am MD-Kanal, wo wir nach einem herzlichen Empfang unsere Boote zwischenlagern durften. Das eigentliche Fahrtziel des ersten Tages war das Hotel Gewürzmühle – unser head quarter für die Wanderfahrt im mittelalterlich-romantischen Städtchen Berching.

Die erste Ruderetappe startete am RVN und führte über drei mit je 25 m Hubhöhe beachtliche Schleusenmonster bis Hilpoldstein. Die Ruderstrecke betrug lediglich 24 km, allerdings war der Zeitbedarf für das Umfahren der Schleusen mit dort befindlichen speziellen Wägelchen beträchtlich. Die Mittagspause an diesem Himmelfahrtstag widmeten wir der allseits üblichen säkularen Zelebrierung als Vatertag im “Reitenspies “, einem zünftigen Biergarten inmitten der ebenfalls in bester Feierlaune befindlichen einheimischen Bevölkerung. Kein Wunder, dass uns die letzten km bis zum Etappenziel in Hilpoldstein etwas schwer fielen. Den freien Nachmittag verbrachten wir dann in diesem schönen Ort, natürlich im originellen Biergarten des “Schwarzen Ross“. Den Abend widmeten wir pflichtschuldig der Besichtigung von Berching einschliesslich seiner Einkehrmöglichkeiten.

Die zweite Ruderetappe mit einer Länge von 36 km führte von Schleuse Hilpoldstein bis Schleuse Dietfurt; es waren wieder 3 Schleusen zu umfahren. Die Mannschaft war inzwischen perfekt eingespielt in der Bewältigung des Umfahrens, sodass dieser Hilfssport nicht mehr als grosse Mühe empfunden wurde. Auf dieser Strecke passierten wir den Punkt der europäischen Wasserscheide zwischen Atlantik und Schwarzem Meer, markiert von einer mauerartigen, leider nicht sehr inspirierenden Skulptur des ansonsten geschätzten land art- Künstlers Hansjörg Voth.

 Zur unvermeidlichen Mittagspause legten wir am Benediktinerkloster Plankstetten an. Das Kloster ist nicht nur durch seine pittoreske Lage bekannt, sondern auch durch seine Bio-Lebensmittelprodukte einschliesslich Klosterbier; beides liessen wir uns schmecken. Mit den restlichen Ruder-km holten wir uns den Appetit auf einen fulminanten Grillabend im Garten unseres Hotels Gewürzmühle – der Wirt übertraf alle Erwartungen.

Die dritte und letzte Ruderetappe von Dietfurt bis zur Schleuse Kehlheim- Gonsdorf mit einer Streckenlänge von 31 km verlief nun im Bett der natürlichen Altmühl, einem sehr romantisch anmutendem Flusstal mit hoch aufragenden Jurafelsen und vielen weiteren Natur – und Kulturschönheiten. Aus Zeitgründen mussten wir uns auf weniges beschränken, Burg Prunn und das “Schuler Loch “. Zur Burg Prunn gings zunächst in einen kleinen Bootshafen, eine Präzisionsarbeit für unsere Steuerleute und für alle grosse Vorsicht beim Ausheben und Wiedereinsetzen der Boote. Danach folgte ein etwa 20 minütiger Aufstieg zur Burg. Die Belohnung für diese Mühen war der grossartige Blick auf das Altmühltal. Wir liessen uns auch die Führung durch die sehr gut erhaltene Burg mit Inventar – unter anderem der Kopie des hier gefundenen Exemplars der Nibelungen-Handschrift - nicht entgehen. Ich verschweige auch nicht die obligatorische Mittagspause in der Burggaststätte – das Wetter war, wie schon oben erwähnt, konstant schön und warm und nur durch einen Schluck kühlen Bieres vom “Schneider“ zu ertragen. Das sog. Schuler Loch ist eine domartige Aushöhlung durch die Ur-Donau mit interessanten Aufschlüssen in die Geologie des Raumes; leider ist die Führung entgegen früherer Erfahrung mehr auf leichte Touristeninformation mit „ son et lumiere „ abgestellt, denn auf gerade die interessanten geologischen Fakten. Jedenfalls bin ich froh gewesen, dass mich meine Kameraden hinterher nicht gesteinigt haben.

Der Rest der Wanderfahrt ist nun schnell erzählt: die letzten etwa 10 km bis zur Schleuse Kehlheim wurden in stimmungsvoller Abendsonne zurückgelegt, die Boote auf den Hänger verladen und dann – vorbei am Keltentor- nach Hause gefahren. Stimmt nur zum Teil, denn eine Hälfte der Mannschaft machte noch einen kleinen Umweg über Kloster Weltenburg und, nachdem dort schon geschlossen war, nach Kehlheim zum Brauerei – Biergarten Schneider, eine in ganz Bayern berühmte Lokalität.

Das Ende dürfte auch nicht überraschen: am Sonntag gings über die Autobahn nach Hause, wir hatten das Glück, dass sich die Staus immer hinter uns bildeten. Damit liess sich der Schmerz wegen des Verzichts auf die geplante Besichtigung des sog. Karlsgrabens bei Treuchtlingen verkraften.

Erwin Wolfermann, RWH        4.8.2017